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Epitaphe

Die steinernen Gedächtnistafeln zu Ehren verstorbener Würdenträger sind signifikante Attribute der protestantischen Kirche des 16. und 17. Jahrhunderts. Sie befinden sich überwiegend an Pfeilern und Wänden des Kircheninnenraumes.


Die Gedenktafeln, die, unabhängig von der eigentlichen Grabstätte, durch ihren großen bildnerischen und symbolischen Aufwand entscheidend zur künstlerischen Gestaltung des Kirchengebäudes beitragen, behandeln meist Themen wie den Tod, das Jüngste Gericht oder die Auferstehung.


Eines der bildnerisch einducksvollsten ist das Epitaph zu Ehren des Domkanonikers Segebade von Hude (gestorben 1578), dessen Mittelpunkt die Anbetung des gekreuzigten Christus durch den Verstorbenen bildet. Um diese sinnbildliche Darstellung entfaltet sich ein überschwänglich dekorativer Rahmen, dessen antikische Architektur Raum für Familienwappen, Putten und Textfelder bietet.

Ebenfalls eine bemerkenswerte Arbeit ist das Epitaph für den 1518 verstorbenen Domherren Dr. Gerhard Brandis.
Die knieende Gestalt des Verstorbenen, aus dessen Mund sich ein Spruchband entrollt, wird der Marienfigur mit dem Jesuskind gegenübergestellt. In den seitlichen Nischen stehen die vier Evangelisten mit ihren signifikanten Symbolen. In diesem Kunstwerk manifestiert sich schon eindeutig der Einfluss der Frührenaissance, der sich in den Rundbögen, der Säulenarchitektur und den Fruchtgehängen ausdrückt. Der in der Mitte herabhängende Granatapfel ist ein aus der italienischen Kunst übernommenes Mariensymbol.


Ein vergleichsweise eher schlichtes Kunstwerk ist das Epitaph für den 1547 verstorbenen Senior des Domkapitels und Dompropst von Wildeshausen, Segebade Clüver. Thema der Darstellung ist der Brunnen des Heils. Die Spruchbänder, die den Hintergrund schmücken, sind wesentliche Bestandteile der reichhaltigen Symbolik dieser Gedächtnistafel. Den höchsten Punkt des Epitaphs nimmt das Kreuz Christi ein, das zugleich auch den Baum des Lebens darstellt. Aus den fünf Wunden des Gekreuzigten fließt das Wasser des Lebens, das symbolisch Adam und Eva von ihrer begangenen Schuld reinwäscht. Der Hintergrund zeigt auf der linken Hälfte die diesseitige Welt, die bestimmt wird durch den Tod, der sich in dem Schädel in Adams Hand und in der brennenden Stadt manifestiert. Rechts dagegen befindet sich das himmlische Reich, symbolhaft dargestellt durch Eva, Sinnbild der Gottesmutter. Aus den vier Öffnungen des oberen Beckens (den vier Paradiesflüssen) rinnt das Wasser in die untere Brunnenschale, in welcher die Taufe und damit die Vergebung der Sünden offenbart wird. Der Verstorbene ist knieend im traditionellen Ornat seines dompröpstlichen Amtes abgebildet. Ihm gegenüber befindet sich Johannes der Täufer, mit seiner Rechten auf den gekreuzigten Christus weisend.

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Das Epitaph für Segebande Clüver
Das Epitaph für Segebande Clüver