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Frankkreich <-> Deutschland Gegensätze & Begegnung

Die Konzertreihe im Bremer Dom zum Jahr 2014

»Man kann nicht stets das Fremde meiden …
… Das Gute liegt uns oft so fern. / Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden / Doch ihre Weine trinkt er gern.«So lässt Goethe die Saufkumpane in Auerbachs Keller dichten. Im Jahr 2014 nehmen wir den Beginn des ersten Weltkriegs vor 100 Jahren zum Anlass, das Verhältnis der Nationen Frankreich & Deutschland musikalisch zu erleben. Es geht dabei keineswegs um Politik; aber die Unterschiede in der Mentalität, die in politischen Pamphleten und Stammtischgesprächen oft chauvinistisch gedeutet wurden, lassen sich deutlich in der unterschiedlichen Musikauffassung wiederfinden. Die Besonderheit der französischen Musik wurde 1636 vom Mathematiker Marin Mersenne folgendermaßen formuliert: Im Gegensatz zu den Italienern »begnügen unsere Franzo¬sen sich damit, dem Ohr zu schmeicheln, und sie bedienen sich einer immerwährenden Süße in ihrem Gesang.« Christian F. D. Schubart (1739–1791) empfand es als verfehlt, »jemahls einen französischen Orgelspieler an deutsche Kraft und Kunst setzen zu wollen. Der Franzose winselt in weibischen Tönen; der Deutsche schreitet daher in männ¬lichen … der Deutsche ist kalt und tief raffinirend; der Franke glitscht an der Oberfläche der Dinge ab.« Dabei hatte schon vorher C. Ph. Emanuel Bach betont: »Besonders ist man durch ein übles Vorurtheil wider die frantzösischen Clavier=Sachen eingenommen, welche doch allezeit eine gute Schule für Clavier=Spieler gewesen sind.« Natürlich geht es in unseren Konzerten nicht darum, die eine Musik als besser oder schlechter als die andere anzuse¬hen, sondern darum, einen typischen Unterschied hörbar zu machen, der sich über Jahrhunderte hinweg feststellen lässt. Vereinfachend kann man sagen, dass in der deutschen Musik eher die Struktur und in der französischen Musik eher der Klang entscheidend ist. Es ist faszinierend, wie vielfältig die Wechselbeziehungen zwischen französischer und deutscher Musik über die Jahrhunderte hinweg sind. Gehen Sie mit uns auf die Reise!

Der Eintritt ist frei, wenn nicht anders angegeben

Donnerstag • 6. Februar 2014 • 19 Uhr
Allons Enfants de la Patrie
»Deutschland ist Hamlet! Ernst und stumm / In seinen Toren jede Nacht / Geht die begrabne Freiheit um.« Texte zur Entstehung des Nationalstolzes, zu Krieg und Frieden um 1800 von Ferdinand von Freiligrath, Friedrich Hölderlin und Victor Hugo werden kombiniert mit Orgelfassungen der Marseillaise, von Heil dir im Siegerkranz und dem Mittelsatz aus Joseph Haydns Kaiserquartett, der später zur deutschen Nationalhymne wurde.
David Gravenhorst, Lesung • Tobias Gravenhorst, Bach-Orgel

Donnerstag • 13. Februar 2014 • 19 Uhr
Französische Klänge an der Sauer-Orgel
Die klangsinnlichen Werke von César Franck und Olivier Messiaen lassen sich mit leicht deutschem Akzent auf der Sauer-Orgel gut darstellen; Wilhelm Sauer kannte die französischen Orgeln und nahm einige Einflüsse mit zurück nach Deutschland. Roland Dopfer, Sauer-Orgel

Donnerstag • 20. Februar 2014 • 19 Uhr
Spätromantische Lieder
Die Sauer-Orgel eignet sich mit ihrem Reichtum an intimen Klangfarben hervorragend zur Liedbegleitung. Es erklingen Werke von César Franck, Louis Vierne, Peter Cornelius und Max Reger.
Stefanie Golisch, Mezzosopran
Tobias Gravenhorst, Sauer-Orgel

Donnerstag • 27. Februar 2014 • 19 Uhr
Bachs Spuren
Auch in Frankreich wurde die Orgelkunst Bachs hoch geschätzt und von einigen Komponisten im 19. Jahrhundert aufgegriffen. Sie hören Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach, Alexandre-Pierre-François Boëly, Felix Mendelssohn Bartholdy, Camille Saint-Saens und Franz Liszt.
Stephan Leuthold, Orgel

Ein Wochenende für Marc-Antoine Charpentier
»Von den Guten als gut, von den Ahnungslosen als ahnungslos erklärt«, so bezeichnete Marc Antoine Charpentier (1643–1704) sich selbst als Musiker. Seine Musik war seit seinem Tod bis ins 20. Jahrhundert völlig in Vergessenheit geraten. Heute erscheint sie uns aber verständlicher und spannender als viele Werke seiner Zeitgenossen. Charpentiers Musik ist voller harmonisch und klanglich spannender Momente, wirkt aber in der Gegenüberstellung mit seinen deutschen Zeitgenossen weich, elegant und geradezu schmeichelnd, eben typisch französisch. Komponisten wie Johann Christoph Bach, Johann Pachelbel und Dietrich Buxtehude schufen auch sinnliche und wirkungsvolle Werke, jedoch strukturell strenger konzi¬piert. Die Chorwerke der deutschen Meister orientieren sich klar an italienischen Vorbildern, während in der deutschen Instrumentalmusik die französischen Einflüsse gleichberechtigt neben den italienischen stehen.

Freitag • 28. Februar 2014 • 20 Uhr
Marc-Antoine Charpentier: Te Deum
Das Kammerchorkonzert auf dem Hochchor bietet zwei Vertonungen des altehrwürdigen Te Deum in Kombination mit zwei Vertonungen des berühmten Lobgesangs der Maria (Magnificat) von Johann Pachelbel.
Vokalkonsort I figli d’Orfeo
Klaus Westermann, Orgel • Susanne Peuker, Laute
Leitung: Jörg Jacobi

Samstag • 1. März 2014 • 18 Uhr
Marc-Antoine Charpentier: Solokantaten
Die Ostkrypta des Bremer Doms erweist sich als idealer Rahmen für geistliche Solokantaten und Kammermusik von Charpentier und seinen deutschen Zeitgenossen. Virtuoses und Lyrisches in den verschiedensten Besetzungen wechselt sich ab.
Angela Postweiler, Sopran • Julie Comparini, Alt
Johannes Liedbergius, Bass
Barbara Heindlmeier, Flöte/Cornetto
Christian Heim, Flöte/Viola da gamba
Marthe Perl, Viola da gamba
Tobias Gravenhorst, Orgel/Cembalo

Sonntag • 2. März 2014 • 18 Uhr
Marc-Antoine Charpentier: Messe für vier Chöre
Quadrophonie ist eine Erfindung des 17. Jahrhunderts. Die Zuhörer sitzen dabei zwischen den Chören und werden sozusagen in die Klänge eingebettet. So anspruchsvoll dies in der Umsetzung ist, so frappierend ist auch die Wirkung. Charpentiers Messe für vier Chöre ist einzigartig in der französischen Kirchenmusik. Charpentiers monumentales Werk wird in unserem Konzert kombiniert mit doppelchörigen Motetten von Johann Bach und Johann Christoph Bach. Diese deutsche, evangelische Musik stellt sich bewusster der Herausforderung des biblischen Textes und erfindet ständig neue Formen, um ihm gerecht zu werden.
Bremer Domchor
Instrumentalsemble • Leitung: Tobias Gravenhorst
Eintritt: jeweils € 13,–/8,– • nur Abendkasse

Donnerstag • 13. März 2014 • 19 Uhr
Dieses unerklärliche Deutschland
»Etwas Tiefstes und Irrationales« stecke in der »deutschen Seele«. So formulierte es Thomas Mann zu Beginn des ersten Weltkrieges. Stefan Zweigs erschütternder Brief An die Freunde in Fremd¬land steht zwischen Orgelwerken Max Regers, die unter dem Eindruck des Krieges entstanden. Demgegenüber wirkt der Weitblick von Zweigs engem Freund Romain Rolland und die Drama¬turgie in der Pièce héroïque von César Franck geradezu heiter.
David Gravenhorst, Lesung • Tobias Gravenhorst, Orgel

Donnerstag • 20. März 2014 • 19 Uhr
Eric Satie: Messe des Pauvres
Diese »Armenmesse« eines auch schon zu Lebzeiten berühmten Außenseiters widersetzt sich aller Tradition. Satie gründete eine eigene Kirche und war deren einziges Mitglied. Seine Musik ist antivirtuos und antidramatisch, dabei doch von großer Klangschönheit. Franz Liszt findet aus ganz anderen Beweggründen in seinem Spätwerk wie dem Kreuzweg (Via Crucis) zu einem ähnlichen Stil. Seine Idee, die katholische Kirchenmusik zu erneuern, schei¬terte an seiner Genialität, die den Kirchenoberen suspekt erschien.
Mitglieder des Bremer Domchores • Stephan Leuthold, Orgel
Leitung: Tobias Gravenhorst

Donnerstag • 3. April 2014 • 19 Uhr
Hymnen & Fantasien aus Frankreich & Deutschland
Die Orgel hatte in den Gottesdiensten im 17. Jahrhundert nicht die Aufgabe der Liedbegleitung, sondern spielte im Wechsel mit dem Chor. Zwischen den Orgelwerken von Jean Titelouze, Matthias Weckmann, Samuel Scheidt u. a. erklingen gregorianische Melodien.
Wolfgang Baumgratz, Orgel
Schola aus dem Bremer Domchor
Leitung: Tobias Gravenhorst

Donnerstag • 22. Mai 2014 • 19 Uhr
Aufbrüche
In der Orgelmusik der 1930er und 40er Jahre werden die klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes deutlich erweitert. Orgelkomponisten wie Olivier Messiaen, Nepumuk David, Jehan Alain und Paul Hindemith verleugnen nicht ihre Herkunft aus der Klangwelt der Romantik, aber jeder findet einen eigenen Weg zu einem neuen Stil.
Stephan Leuthold, Orgel

Sonntag • 8. Juni 2014 • 10 Uhr
Kantatengottesdienst zu Pfingsten
Während Johann Caspar Horn (1680) den Evangliumstext zum Pfingstsonntag – selbstverständlich auf deutsch – vertont, liegt der Kantate von Marc-Antoine Charpentier der altkirchliche Hymnus Veni Creator Spiritus zu Grunde.
Liturgie & Predigt: Henner Flügger
Karin Gyllenhammar, Sopran • Beat Duddeck, Altus
Jan Hübner, Tenor • Johannes Liedbergius, Bass
Bremer Domchor • Concerto Bremen
Leitung: Tobias Gravenhorst

Donnerstag • 19. Juni 2014 • 19 Uhr
Bleib bei uns, denn es will Abend werden
Chormusik erlebte im Deutschland der Hochromantik eine neue Hochblüte. Weniger bekannt als die Musik von Johannes Brahms und Joseph Rheinberger sind die reizvollen Kompositionen ihrer französischen Zeitgenossen Gabriel Fauré und Charles Marie Widor. Die Chorempore im Dom bietet die ideale Voraussetzung für gemeinsames Musizieren von Chor und Orgel.
Bremer Domchor • Stephan Leuthold, Sauer-Orgel
Leitung: Tobias Gravenhorst

Donnerstag • 26. Juni 2014 • 19 Uhr
Vom Wehen des Heiligen Geistes
Ein Wechselspiel der Orgeln im Bremer Dom mit pfingstlicher Musik durch die Jahrhunderte von Jean Titelouze, Samuel Scheidt, Johann Sebastian Bach, Maurice Duruflé und Olivier Messiaen.
Tobias Gravenhorst & Stephan Leuthold, Orgel

Donnerstag • 11. September 2014 • 19 Uhr
Über Gräben
Paul Hindemiths Messe von 1963 zeigt den Meister auf der Höhe seiner Kunst. Dabei stellt sich Hindemith kurz vor seinem Tod bewusst in die lange Tradition der Messvertonungen. Die deutsche Strenge wird durch die meditativen Orgelwerke von Jehan Alain gemildert.
Wolfgang Baumgratz, Orgel
Vokalensemble St. Jacobi Hamburg
Leitung: Rudolf Kelber

Sonntag • 14. September 2014 • 18 Uhr
Werke für 2 Cembali in der Ostkrypta
Es ist faszinierend, zu erleben, wie unterschiedlich französische (François Couperin, Gaspard Le Roux) und deutsche (Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach) Komponisten die klanglichen Möglichkeiten des Cembalos ausloten. Hören Sie ein Konzertieren zweier Instrumente und zweier Nationen. Neben Originalwerken kommen auch Bearbeitungen zu Gehör.
Carsten Lorenz & Stephan Leuthold, Cembalo
Eintritt: € 8,–/5,– • nur Abendkasse

Donnerstag • 18. September 2014 • 19 Uhr
An der Schwelle der Moderne
In der Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die tradierte Harmonik allmählich aufgelöst. Frankreich und Deutschland gingen unterschiedliche Wege. Während Max Reger die Komplexität und damit die Ausdrucksstärke bis ins Extreme steigerte, benutzen Komponisten wie Darius Milhaud die neuen harmo¬nischen Möglichkeiten eher als Klangfarben im impressionistischen Sinn.
Coromanontroppo
Leitung: Tobias Gravenhorst

Donnerstag • 25. September 2014 • 19 Uhr
Sinfonische Größe
Zwei der wichtigsten und gewaltigsten Orgelwerke des 19. Jahrhunderts stehen sich gegenüber: Charles Marie Widors 5. Symphonie mit der berühmten Toccata und Julius Reubkes Geniestreich, die Sonate c-Moll über den 94. Psalm.
Stephan Leuthold, Orgel


Donnerstag • 30. Oktober 2014 • 19 Uhr
Le goût des autres
»Der Geschmack der anderen« zeigt sich bei der Gegenüber-stellung deutscher und französischer Kammermusik. Während Charles Dieupart, Jean-Marie Leclair und François Couperin ihren Nationalstil fortentwickelten, konnten Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach zwischen verschiedenen europäischen Stilen frei wählen und ihre persönliche Tonsprache finden.
Anne Freitag (Basel), Traversflöte
Stephan Leuthold, Cembalo

Sonntag • 23. November 2014 • 20 Uhr
Maurice Duruflé: Requiem
Das Requiem von Duruflé (1947) gehört mit seinen milden Klängen und seinen impressionistischen Reizen zu den beliebtesten Chorwerken des 20. Jahrhunderts. Dabei gelingt es dem Komponisten, den uralten greorianischen Melodien einen Klangreiz abzugewinnen, der die Musik der Moderne unerwartet bereichert. Hugo Distlers Totentanz (1934) ist ebenfalls ein Standard-werk der Chorliteratur. Der besondere Reiz liegt in der Kombination von gesprochenen mittelalterlichen Texten mit kurzen, prägnanten Chormotetten. Distler entscheidet sich wie Duruflé für eine archaische Tonsprache und kommt dabei zu einem verblüffend anderen Ergebnis. Und jede Aufführung von Distlers Totentanz wird zu einer eigenen Inszenierung!
Judith Ritter, Sopran • Stephanie Knauer, Sprecherin
Stephan Leuthold, Orgel
Bremer Domchor • Kammer Sinfonie Bremen
Leitung: Tobias Gravenhorst
Eintritt: € 15,–/10,– • nur Abendkasse

Donnerstag • 27. November 2014 • 19 Uhr
Die Ewigkeit schauen
Zwei Spätwerke zweier wichtiger Komponisten des 19. Jahrhunderts nähern sich auf denkbar unterschiedliche Weise dem Thema Choral: César Francks Trois Chorals sind Fantasien über eigene nicht textgebundene Themen, während Johannes Brahms in seinen Choralvorspielen einen sehr intimen, persönlichen Zugang zu Kirchenliedern findet.
Stephan Leuthold, Orgel